Vortrag "Influencer"

Rund 50 Besucher lauschten Vortrag zum Thema „Influenzer“

 

 „Influencer - Die neuen Verführer? Zwischen Selbstvermarktung und Beeinflussung von Einstellungen“ lautete das Thema eines Vortrags von Prof. Dr. Bela Mutschler im Friedrichshafener Zeppelin-Museum.

Eingeladen dazu hatten die Reinhold-Maier-Stiftung, deren Zweck BPC-Mitglied Alfred Eger zu Beginn erläuterte, gemeinsam mit dem Bodensee-Presseclub, dessen Präsident Manfred Weixler die Idee zur Veranstaltung erläuterte.

 

Die Resonanz auf diese Kooperationsveranstaltung war mit rund 50 Besuchern hervorragend. Verdientermaßen,  denn Prof. Mutschler informierte nicht nur profund und anhand vieler Beispiele über das Vorgehen der Influencer. Es schien, als wende er im Vortrag teilweise deren Methoden an: er schaffte Nähe, schuf Vertrauen, erzählte Geschichten.

 

Influencer – Beispiele und Vorgehen

Zu den ganz Großen zählen in den USA die Mitglieder des Familienclans „The Kardashians“. Sie haben über 150 Millionen Followers  (Abonnenten ), wegen ihrer enormen Reichweite gehören sie zu den „Mega-Influencer“ und wurden durch ihre Postings (Beiträge )auf Social-Media-Plattformen zu Multimillionären.

Im Deutschsprachigen Raum gehören die Zwillinge Lisa und Lena mit 15 Millionen Fellowern  zu den relativ Großen. Ein Beispiel aus dem Sportbereich ist Toni Kroos mit 20 Millionen Abonnenten.

 

Es sind Themen wir Lifestyle, Fitness, Food, Reisen, die in den Postings auf Netzwerken wie Youtube, Instagram oder TikTok (einem Chinesischen Videoportal) aufgegriffen werden. „Dabei geht es um Emotionen, man spürt die Gefühle. Und es werden Geschichten erzählt, denn wir Menschen lieben Geschichten.“, so Prof. Mutschler.  

Influencer Marketing

 

Ein großer Werbeeffekt entsteht, wenn die Influencer als Multiplikatoren für eine Marke auftreten. „Die Influencer haben Einfluss, weil man ihnen Vertrauen schenkt. Sie sind für ihre Fellowers ein Mix aus Experten und der gefühlten Nähe zu Menschen.“ „Und es ist viel Geld im Spiel“, sagte Mutschler, denn dieses Influencer-Marketing ist der Industrie des deutschsprachigen Raums jährlich etwa 990 Millionen € wert.

Influencer im politischen Diskurs

 

Im politischen Diskurs bezüglich Influencer gab es 2019 den „Zero Moment of Truth“, als (am 18.05.19) in Deutschland  Rezo mit seinem knapp einstündigen Videoclip „Die Zerstörung der CDU“ auf 16 Mio. Aufrufe kam. „Die CDU war völlig überfordert“, und er könne bis heute keine Antwort darauf erkennen. Mit Blick auf die Wahlergebnisse der unter 30-Jährigen meinte Mutschler „es gab Effekte, wie groß sie waren, darüber lässt sich streiten“. 

 

Bei der Verbreitung von politischen Informationen in den Netzwerken sprach Mutschler über problematische Beobachtungen.

Da ist einerseits die als Filterblase bezeichnete Abgrenzung, dann wenn Nutzer in Sozialen Medien nur noch das sehen, was zu ihren Meinungen passt und nur Informationen, die die eigene Weltansicht bestätigen, zur Kenntnis nehmen. Anhand einer Grafik machte Prof. Mutschler deutlich: „Bei der AfD besteht ein abgeschotteter Bereich, eine ausgeprägte Filterblase.“

 

Das zweite Phänomen bezeichnete Mutschler als Echokammer. Da Menschen in Sozialen Netzwerken dazu neigen, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben, wird gegenseitig die eigene Position  in diesem „Innenraum“ verstärkt. Dies erläuterte Mutschler am Beispiel einer Fake-News eines AfD-Ortsverbandes über eine  (vermeintliche) Reisewarnung für Schweden, die zwar vom Auswärtigen Amt als Falschnachricht entlarvt wurde, aber trotzdem Wirkung zeigen konnte. Problematisch können auch im Internet geweckte Emotionen werden, nämlich dann, wenn auch Hass und Hetze geschürt werden. Etwa 25 % der Nutzer sind davon betroffen, allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung.

Einer, der die politische Meinungsmache über das Online-Influencen perfektioniert hat, ist  der Präsident der USA Donald Trump, mit seinen 72 Mio. Fellowers. „Es ist unfassbar, war Trump abzieht“, so Mutschler.

 

Es war informativ, zugleich spannend und unterhaltsam, wie Bela Mutschler das Wirken der Influencer im wirtschaftlichen und politischen Bereich erläuterte. Sein wissenschaftlich untermauerter Vortrag vermittelte ganz neue Einblicke in das Vorgehen der Influencer, das Online-Marketing,  und die „Neue Welt“ der politischen Meinungsbildung.

 

Prof. Dr. Bela Mutschler lehrt und forscht seit 2008 als Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Seit 2016 ist er zudem Leiter des Studiengangs „Internet & Online-Marketing“ sowie des Rechenzentrums der Hochschule. 2011 gründete er die quarterloop GmbH, eine Agentur für Webentwicklung mit Sitz in München. Zu seinen Forschungsschwerpunkten legte er zahlreiche Fachpublikationen vor, darunter auch die erfolgreichen Ratgeber: „Elternratgeber Neue Medien. Machen Sie sich und Ihre Kinder fit für den Umgang mit WhatsApp, Snapchat, YouTube, Instagram und Facebook“ (2016).

 

Der Bodensee-Presseclub hat in Zusammenarbeit mit der Reinhold-Maier-Stiftung ein ganz aktuelles Thema aufgegriffen. Ganz im Sinne der  Reinhold-Maier-Stiftung, die in Erinnerung an den ersten Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gegründet wurde und sich zur Aufgabe gemacht, insbesondere heranwachsenden Generationen, Wissen im Sinne liberaler Grundhaltung zu vermitteln und demokratische Grundlagen in der Politik zu festigen.

Austausch und Diskussion sind dem Presseclub wichtig. So schloss die Veranstaltung mit einem Get Together im Zeppelin Restaurant ab.

 

Text: Carola Uhl

Fotos: Herbert Neidhardt